Archive for the ‘Input’ Category

Input für die 10. AVV-NRW

Sonntag, März 18th, 2012

Diskussionspapier für ein bundesweites Antifa-Camp vom 24.08. – 02.09.2012 in Dortmund

Warum Dortmund

Dortmund ist seit Jahren für sein Naziproblem bekannt. Der sogenannte “Nationale Antikriegstag” hat ähnlich wie das faschistische “Gedenken” an die Bombardierung Dresdens bundesweite Bedeutung für die Naziszene. Die Dortmunder Nazistrukturen machen immer wieder durch offensive Aktionen, bewaffnete Übergriffe und Anschläge von sich reden. Im Dortmunder Stadtteil Dorstfeld haben sich neonazistische Strukturen über Jahre hinweg durch mehrere Wohngemeinschaften und das “Nationale Zentrum” ausbreiten können. Die wichtigsten Akteure sind der “Nationale Widerstand Dortmund (NWDO)” und die “Skinhead-Front Dorstfeld”.
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Input für die 8. AVV-NRW

Mittwoch, September 21st, 2011

Inputvorschläge für die 8. AVV:

Input zur Alltagsmilitanz

„Wir haben alle keine Zeit“

Militanz ist viel mehr als die körperliche Auseinandersetzung und das Verstoßen gegen deutsche Paragraphen: Militanz verstehen wir als eine kämpferische Lebenseinstellung, als einen Kampf für eine eigene emanzipatorische Utopie.
Im Gegensatz zu den 80er Jahren, der vermeintlichen Hochzeit der autonomen Bewegung, stehen wir heute alle unter erhöhtem Reproduktionsdruck und haben weniger Zeit für Politik. Die Freiräume sich diesem Druck zu entziehen werden immer geringer und der Trend hin zur Individualisierung erschwert gemeinsames Handeln. Anstrengende Jobs, Kinder die Aufmerksamkeit wollen, Bachelorstudiengänge und Behörden erscheinen als immer größere Hürden, die augenscheinlich nur individuell zu bewältigen sind. Der tägliche Kampf mit der Lohnarbeit und um BAföG und Hartz IV ist existenziell und wird meist völlig alleine geführt. Für uns ist es offensichtlich, dass praktische Lösungen zu diesen Problemen her müssen, um die Grundlage für militantes Handeln im Alltag zu schaffen. Wir schlagen vor, gemeinsam mit euch diesen Aspekt der Militanzdebatte zu diskutieren.

Vorschlag:

  1. in Arbeitsgruppen diskutieren
  2. im Plenum vorstellen, gemeinsam diskutieren
  3. zu Hause: Lösungsvorschläge, Ideen, Diskussionsbeiträge etc. ausformulieren und zuschicken

Inputs zum Castor 2011

Als Lektüre zur Vorbereitung auf eine Diskussion zum kommenden Castor-Transport Ende November empfehlen wir den Aufruf zur autonomen Kampagne „Atomstaat stilllegen! Castor 2011 – weiträumig unkontrollierbar renitent“ und den Aufruf “Castor 2011 – ja, wir stören!“ von støren-friedA aus dem widerStandsNest Metzingen.

Input für die 5. AVV-NRW

Sonntag, Januar 9th, 2011

Diskussionspapier für die 5. AVV

Verschärfte Demo-Situation und neue autonome Strategien

Unsere Diskussion basiert auf zwei zentralen Einschätzungen:

  1. Wir sehen uns bei offen mobilisierten Demonstrationen einem stetig wachsendem Repressionsdruck gegenüber. Die „Kräfteverhältnisse“ kippen zu unseren Ungunsten, was die „Durchsetzung“ unsrer Demonstrationsziele immer schwieriger werden lässt.
  2. Trotz steigender Grundskepsis gegenüber dem Konzept „öffentliche Demonstration“ und trotz diverser Versuche etwas anderes zu etablieren, ist es uns in den letzten Jahren nicht gelungen, Ausdrucksformen für unseren Widerstand zu finden, die diesem in seiner Breite gerecht werden. Deshalb können wir es uns nicht „leisten“ Demonstrationen als Aktionsfeld aufzugeben.

Demonstrationen bleiben eine der besten Möglichkeiten auch nicht- oder schwach organisierte Leute in Protest und Widerstand einzubinden, d.h. Kleingruppenkonzepte sind aus der Sache heraus eher bereits organisierten Leuten vorbehalten.

Probleme:

Im Vorfeld angekündigte Demos geben der Polizei viel Zeit sich auf die Situation einzustellen. Immer öfter werden die gewünschten Routen von der Polizei im Vorfeld abgelehnt / verboten. Zum Klagen fehlt oft Zeit, Geld, Nerv oder Kompetenz und der Ausgang ist völlig offen. Viele Gerichte teilen die Gefahreneinschätzung der Polizei.
Die stattfindenden Demos werden mit immer restriktiveren und absurderen Auflagen überzogen. Statt sich über die Berechtigung von passiver Bewaffnung und Seilen in den Transpis zu streiten, geht es heute oft darum ob es Seitentranspis überhaupt geben darf oder das Mitführen eines „Erste Hilfe Packs“ ein Indiz für Gewaltbereitschaft ist.
Aufgrund negativer Zahlenverhältnisse, bei denen oft mehr Polizist_innen als Demonstrant_innen anwesend sind, werden Demos oft zu frustrierenden Wanderkesseln, die dann eventuellen Eingriffen durch die Polizei wenig entgegenzusetzen haben.
Das meist ununterbrochene Abfilmen durch die Polizei inklusive Echtzeitauswertung tut sein übriges.
Zu den von außen herangebrachten Problemen gibt es aber auch interne:
Durch die technische Entwicklung diverser neuer Medien und eine gesellschaftliche Veränderung im Umgang mit persönlichen Daten kann heute jede_r zweite mit dem Handy eine Demo von innen filmen und online stellen (o.ä) und leider wird dies auch gemacht.
Dazu bleiben allzu oft auch die Inhalte hinter unseren Ansprüchen zurück, wenn ganze Demospitzen in Fussballmelodien Tiraden über Hurensöhne und Inzestnazis von sich geben.

Trotzdem halten wir Demos für einen wichtigen Teil unserer politischen Arbeit.
Unsre Hoffnung besteht darin eine Demokultur zu finden, die ausgehend von den Zielen und den Wünschen an eine Demo ihren praktischen Rahmen bestimmt und sich entsprechend verhält. Geht es um Masse und Öffentlichkeit oder vielleicht auch um Spontanität, Schnelligkeit oder sogar praktische Ziele? Weiter müssen wir uns am besten bereits im Vorfeld damit befassen wie wir reagieren, wenn uns die Gegenseite zu sehr einschränkt. Wo ist der Punkt erreicht, an dem ein Festhalten an der ursprünglichen Planung keinen Sinn mehr macht? Unter welchen Umständen sind wir nicht mehr bereit zu demonstrieren? Können wir an diesem Punkt schnell und produktiv auf einen Plan B umschalten, der vielleicht noch weniger gewollt ist (z.B. out of control o.ä.)? Wie können wir dafür sorgen, dass unsere Planungen besser koordiniert sind und auch spontane Änderungen noch ausreichend Leute erreichen („neue Medien“)?

Da unser Verhalten natürlich immer wieder zu allen möglichen Formen der Repression führen kann, halten wir den Aufbau / Erhalt eigener regionaler EA Strukturen sowie von Gruppen wie „out of action“ für wichtig, da Solidarität immer wieder auch noch lange nach den einzelnen Demonstrationen notwendig ist.

Wir würden uns freuen, wenn wir am 27. 3. an und über diesen Text diskutieren können. Dafür wäre es sinnvoll, wenn ihr ihn in euren Gruppen schon mal vordiskutiert.

Input für die 3. AVV-NRW

Donnerstag, November 25th, 2010

Mögliche Diskussionsthemen für die 3. AVV

Liebe Leute!

Auf der vergangenen Vollversammlung für autonome Politik (AVV) haben wir in Kleingruppen unter anderem die Fragen diskutiert, was autonome Politik ausmacht und wie wir sie gestalten wollen. Unter anderem folgende Punkte und Fragen wurden angesprochen:

1. Autonome Politik steht in Abgrenzung zu staatsnaher Parteipolitik.
2. Wie kann autonome Politik Einfluss auf die Veränderung von Gesellschaft nehmen? Einerseits sollen Menschen aufhören so ignorant zu leben; sie sollen sich selbstbestimmt einmischen. Andererseits wollen wir das nicht vorschreiben. Wie können soziale Prozesse auf Augenhöhe zu Menschen mit anderen Positionen angestoßen werden?
3. Auch in autonomen Gruppen bilden sich informelle Hierarchien. Wie gehen wir damit um? Wie reduzieren wir das?
4. Oft sind autonome Gruppen und Zusammenhänge nicht wirklich offen gegenüber Neuen. Wie können wir das ändern?
5. Daran anschließend die Frage: Wie offen können autonome Strukturen vor dem Hintergrund staatlicher Überwachung sein? Wie viel Verschlossenheit ist notwendig?

Wir schlagen vor auf dieser AVV erneut in Kleingruppen zu diskutieren, um möglichst vielen dieser und ganz vielen anderen Themen Raum zu bieten. In diesen können einige spannende Debatten autonomer Politik fortgeführt werden, um daraus ggf. gemeinsame Perspektiven zu entwickeln.

Um der weiteren Diskussion Struktur zu verleihen, möchten wir euch folgende Themen vorschlagen. Gerne könnt ihr eigene Ideen vor Ort vorschlagen.

1. Sicherheit. Die Frage nach der notwendigen Sicherheit in autonomen Strukturen schlagen wir vor am Beispiel der AVV selbst zu diskutieren:
Auf welche Art und Weise sollen künftig die Ergebnisse des Plenums dokumentiert und anderen zur Verfügung gestellt werden? Worüber reden wir nicht auf der AVV? Fotos von Ergebnissen im Internet?

2. Praxis und Utopie. Das Problem der Differenz zwischen gesellschaftlichen Zielen und politischer Praxis.
Können/wollen/sollen wir in „autonomer“ politischer Praxis Aspekte der angestrebten Utopie aufzeigen? Wie gehen wir mit unseren Widersprüchen um?

3. Spielraum für autonome Politik. Die Ausweitung von Frei- und Spielräumen (materiell, zeitlich usw.) sind wichtig als Grundlage für politische Arbeit. Welche autonomen Ansätze und alternative Strukturen gibt es in NRW? Gibt es Anknüpfungspunkte für gegenseitige, auch überregionale Unterstützung? Schaffen die Ansätze tatsächlich mehr Spielraum oder nur mehr Arbeit?

4. Schnittstellen zur bürgerlichen Realität / Gesellschaft. An welchen Stellen und wie kann autonome Politik Einfluss auf die gesellschaftliche Realität nehmen? Wie kann die Sinnhaftigkeit von kollektiver Organisierung entgegen diverser Unterdrückungsmechanismen vermittelt werden? Abgrenzung und Abschottung oder raus in die bürgerliche Realität? Welche Beispiele gibt es, in denen autonome Projekte direkten Einfluss auf das soziale und gesellschaftliche Umfeld nehmen?

Input für die 2. AVV-NRW

Montag, September 27th, 2010

Inputvorschlag zur 2. AVV

Input: Thesen zur Autonomen Bewegung

aus: Der Stand der Bewegung, Lesebuch zum Autonomie-Kongreß 1995,

  1. Wir kämpfen für uns, andere kämpfen auch für sich, und gemeinsam sind wir stärker. Wir führen keine Stellvertreterkriege, es läuft über „eigene Teilnahme“, Politik der 1.Person. Wir kämpfen für keine Ideologien, nicht fürs Proletariat oder fürs Volk, sondern für ein selbstbestimmtes Leben in allen Bereichen, wohl wissend, daß wir nur frei sein können, wenn alle anderen auch frei sind!
    Aber auch wir haben eine Ideologie: Es geht uns dabei um Eigenverantwortung und Selbstbestimmung als gesellschaftspolitisches Ziel und Mittel zu deren Durchsetzung. Es geht uns aber auch um Moral, Gerechtigkeit und Würde. Und in diesem Zusammenhang führen wir auch manchmal Stellvertreterkriege, wenn wir betroffen sind von dem Leid und Unterdrückung gegen andere.
  2. Wir wollen das System nicht reformieren oder verbessern. Wir führen keinen Dialog mit den Herrschenden, denn das ist der erste Schritt zur Integration. Wir lehnen die Propagierung reformistischer Ziele ab. Uns kommt es zu allererst darauf an, das Selbstbewußtsein der Menschen in Alltag und Politik zu stärken, ihre Sachen selbst in die Hand zu nehmen und nicht an andere zu delegieren. Deswegen lehnen wir für uns den parlamentarischen Weg ab.
  3. Wir wissen sehr wohl, daß es eine Dialektik zwischen Reform und Revolution gibt: Wenn die Betroffenen für die Verbesserung ihrer Misere kämpfen, also die erlaubten Bahnen des Protestes überschreiten und dabei auch Teilziele gegen die Widerstand der Herrschenden durchsetzen, kann dies auch Ansporn sein, für neue systemübergreifende Ziele zu kämpfen. Das Gefühl, gemeinsam stark zu sein, Erfolge zu erreichen, radikal für die selbstformulienen Ziele zu kämpfen (wobei wir unter „radikaI“ nicht nur „militant“ verstehen), ist dabei das Entscheidende: Der Weg, die Art und Weise unserer Kämpfe ist das Ziel.
    Die ständige latente Drohung mit Knast und deren Anwendung ist eine entscheidende Existenzbedingung dieses Systems. Unser Kampf muß sich – trotz des augenblicklichen Unrealismus – insgesamt gegen dieses gesellschaftliche Bestrafungssystem wenden. In unseren utopischen Vorstellungen wollen wir auch nicht die Verantwortung gegenüber Vergewaltigern, Faschos und Frauenmördern dem Staat überlassen. Momentan würden wir aber trotzdem nicht „Freiheit für alle“ fordern. Das Dilemma läßt sich zur Zeit nicht auflösen.
  4. Wir hier in der Metropole sind – unabhängig von der Klassenstellung – Nutznießer der internationalen Ausbeutung. Auch die Ärmeren profitieren hier von den Hungerlöhnen in den Trikont-Ländern. Der Zwang zur Arbeit ist in dieser Gesellschaft trotz der verschärften Angriffe des Kapitals immer noch sehr viel geringer als in Osteuropa oder den Trikont-Ländern.
    Trotz Massenarbeitslosigkeit fordern wir nicht das Recht auf Arbeit. Denn dies wäre in diesem System nur das Recht auf Ausbeutung. Wir kämpfen stattdessen für die Aufhebung der entfremdeten Arbeitsverhältnisse. Wir wissen, dies werden wir nicht erreichen, ohne die Herrschaft des Geldes und der abstrakten Ware abzuschaffen. Deswegen gehört dazu, die Trennung von Arbeits- und Lebenszusammenhängen aufzuheben, also eine neue grundlegend geänderte Struktur des sozialen Zusammenlebens und der Kommunikation zu schaffen.
  5. Wir haben alle einen „diffusen Anarchismus“ im Kopf, sind aber keine traditionellen AnarchistInnen. Die Begriffe Marxismus, Sozialismus und Kommunismus beinhalten für uns nach allen ihren Theorien und Praktiken den Staat und können somit von uns, auch als „Zwischenstufe“, nicht akzeptiert werden. Wir glauben auch nicht, daß es eine „Eigentlichkeit“ der obigen Begriffe gibt, die immer nur, z.B. durch den Realsozialismus verfälscht worden ist. Auch mit dem Begriff des Anti-Imperialismus, so wie er vertreten wird, können wir uns nicht identifizieren, da er bei der Forderung nach nationaler Unabhängigkeit stehenbleibt und somit den Staat in keinster Weise in Frage stellt.
  6. Es gilt, dem System überall punktuell Gegenmacht entgegenzusetzen Diese Gegenmacht darf sich allerdings nie totalisieren oder vereinheitlichen, darf nie als die Gegenmacht institutionalisiert werden, sonst wäre die Tendenz für einen neuen Staat im Keim bereits wieder angelegt.
    Macht formiert sich aber nicht nur durch und über den Staat, sondern tragende Säulen der Macht sind u.a. die patriarchale Kleinfamilie, Kirche und Religion.
    Eine besondere Form von Macht und Unterdrückung bildet sich durch das Konkurrenzprinzip und das Leistungsdenken heraus. Diese werden uns in Erziehung, Schule und Arbeit als naturgegebene Normen vermittelt.Die Bekämpfung des vermeintlichen Rechts des Stärkeren, Erfolgreicheren bedeutet, die Machtbeziehungen in allen Formen zwischenmenschlicher Kommunikation zu thematisieren und bei sich selbst anzufangen, diese abzubauen. Die Bildung einer sozialen Gegenmacht darf uns nicht dazu verleiten, neue Machtstrukturen an die Stelle der alten zu setzen. Das Ziel – keine Macht für niemand – muß auch in unseren Formen des Kampfes und der Organisation von Gegen macht erkennbar sein.
  7. Die Alternativen versuchen, innerhalb des bestehenden Systems Freiräume zu erobern, um darin eine andere Kultur und eine andere Ökonomie aufzubauen. Sie stoßen dabei jedoch immer wieder auf vom Kapital vorgegebene gesamtgesellschaftliche Grenzen. Auch unser Kampf geht im Moment meist nur um Eroberung und Verteidigung von Freiräumen, wie z.B. bei der Besetzung von Häusern und Jugendzentren. Dies kann und darf aber nie unser alleiniges Ziel sein. Aber je mehr Freiräume wir gewinnen können, desto besser ist unsere Ausgangsbasis, um den Staat und das System zu stürzen. Freiräume bedeuten ein punktuelles Außerkraftsetzen des Staates. Aber gleichzeitig kann der Staat durch das ghettoisierte Zulassen von Freiräumen sozialen Widerstand kanalisieren.
    Diese unterschiedliche Bewertung der Bedeutung von Freiräumen bei den Grün-Alternativen und bei den Autonomen halten wir für zu Schwarz-Weiß und zu wenig prozeßhaft gedacht. Gesellschaftlicher Wandel vollzog sich sehr wohl auch durch das „Therapie und Diagnosefeld der Alternativszene“, z.B. im Bereich der Gesundheitspolitik/Medizin. Es ist nicht gleich alles schlecht, was gesellschaftlich integriert wird, was zu Refomen beiträgt. Die Alternativszene ist heute jedoch Teil des Systems und keine Triebfeder mehr für emanzipatorischen Wandel.
    Wir wollen auch heute noch Freiräume erkämpfen, um experimentieren zu können, um die Dialektik zwischen Eigenveränderung und gesamtgesellschaftlicher Veränderung produktiver leben zu können als jetzt, wo uns der individualisierte Alltag erschlägt. Aber die Freiräume sollten nicht nur für die Jugendbewegung, die funktionstüchtigen Kämpfer da sein, sondern gerade auch für Alte, Kranke, Behinderte, Obdachlose, Süchtige etc.
  8. Wir müssen neben der Aufhebung des Staates mit unseren eigenen verinnerlichten Strukturen aufräumen: Patriarchale, rassistische und leistungsorientierte Strukturen stecken ganz tief in uns. Sie haben wenig mit der Existenz des Staates zu tun. Diese Aufhebung der eigenen deformierten Strukturen läuft aber nicht allein durch Selbstveränderung. Hier überschätzen wir unsere subjektiven Möglichkeiten. Eine weiterführende Antwort war und ist Kollektivität. Doch auch dabei muß noch viel an gesellschaftlichem verinnerlichtem Dreck wie Machtstrukturen, Konkurrenzdenken etc. verändert werden. Das spielerische Moment der Selbstveränderung – das des Erlebens der Freiheit beim Fluch des Pflastersteins – ist allein zu kurz gegriffen. Das Leben steht leider nicht nur aus einer Aneinanderreihung solcher Momente der Freiheit, sondern der politische Alltag hat viel mit den Mühen der Ebene zu tun. Selbstveränderung kann aber auch dann lustvoll sein, wenn du z.B. in der Kommunikation mit anderen das Neue spürst, dich traust, neue Wege zu gehen, die dir neuen Mut geben.
  9. Wir lehnen eine parteiförmige Organisationsstruktur aus vielerlei Gründen ab. In allen linksradikalen Parteien gab es das Funktionärsunwesen, das Delegieren von Interessen von unten nach oben, die mangelhafte Förderung des Selbstbewußtseins und der Selbstbestimmung der Massen etc. Jede kommunistische oder anarchistische Partei kennt das Problem der Macht bis zum Überdruß. In unseren Strukturen hingegen gibt es keine gewählten Delegierte oder Funktionäre. Und dennoch kennen auch wir das Problem der Macht. Sie bildet sich bei uns nur informell, quasi unter der Hand heraus.
    Informelle Zusammenhänge zwischen verschiedenen Gruppen und Individuen haben sich im Laufe der Jahre herausgebildet. Besonders die „Neuen“ und die Jüngeren sind davon zumeist sehr lange ausgeschlossen. Obwohl die nicht-öffentliche Struktur einen guten Schutz vor den Bullen bietet, müssen wir viel schärfer zwischen notwendiger Nicht-Öffentlichkeit und öffentlich zugänglicher Struktur unterscheiden. Viele von den informellen Strukturen sind überholt und entziehen sich völlig der Kritik durch andere. Hier blockieren alte Machtstrukturen politische Neuerungen.
    Wenn wir u.a. mit den Jüngeren neue Wege gehen wollen, nicht mehr nur reaktiv Feuerwehrpolitik machen wollen, sondern vorausschauend Perspektiven und Strategien einer neuen politischen Praxis und Theorie entwickeln wollen, dann müssen wir von einigen lieb gewordenen Strukturen Abschied nehmen. Trotz gegenteiliger Behauptungen gibt es unter den Berliner Autonomen sehr wohl eine kontinuierlich arbeitende Struktur. Sie ist aber in ihren Formen erstarrt. Frischer Wind durch neue Leute und neue Formen der politischen Auseinandersetzung, von der sehr viele ohne großes Sicherheitsrisiko öffentlich sein können, sind aber dringend notwendig.